Chemikalien in Teppichböden - Was ist dran an der aktuellen Presseberichterstattung?

Eine Großzahl der von der Deutschen Umwelthilfe beanstandeten Chemikalien ist für die Teppichboden-Produktion gar nicht relevant

27.03.2018

Die Deutsche Umwelthilfe berichtet über die Ergebnisse der Studie der Anthesis Consulting Group, nach der mindestens 59 besorgniserregende Chemikalien in Teppichböden auf dem EU-Markt enthalten sein können.

Grundsätzlich begrüßt der Verband der Deutschen Heimtextilien-Industrie (Heimtex) die Auseinandersetzung mit gesundheits- und umweltrelevanten Stoffen, mit denen Menschen, Tiere und die Umwelt konfrontiert werden können. Unsere Teppichboden-Industrie setzt sich seit mehreren Jahrzehnten insbesondere mit den ökologischen Aspekten aller Produktzyklen auseinander. 1990 wurde dazu von der europäischen Industrie die Gemeinschaft umweltfreundlicher Teppichboden e.V. - kurz GUT - gegründet. Deren Ziel ist es, den Umwelt- und Verbraucherschutz während des gesamten Lebenszyklus eines textilen Bodenbelages - von der Produktion bis hin zur Verlegung, vom Gebrauch bis hin zum Recycling - kontinuierlich zu optimieren.

Vor diesem Hintergrund befremdet uns die enorm lange Liste an Chemikalien, die zu einem ganz erheblichen Teil bei der Produktion von textilen Bodenbelägen überhaupt keine Rolle spielen. Im Bericht selbst sind viele Chemikalien ausdrücklich als für Teppichböden irrelevant gekennzeichnet. Es ist schade, dass bei einem solch wichtigen Thema offensichtlich nicht mit der erforderlichen Genauigkeit gearbeitet wurde.

Dies hilft auch dem Verbraucher nicht, der sich mit dem Thema sachlich auseinandersetzen möchte. Würden z.B. im Zusammenhang mit Brötchen von Chemikalien gesprochen, die nur für die Herstellung von Holzanstrichen Verwendung finden, würde auch das nur zu einer unnötigen Verunsicherung der Verbraucher führen, statt in der Sache zu informieren.

Beanstandet wird pauschal, dass Teppiche bestimmte Chemikalien enthalten können.
 
Wir sprechen hier in erste Linie über Teppichboden, also der textile Belag, mit dem der gesamte Raum ausgelegt wird. Welche Chemikalien in abgepassten Teppichen aus dem nicht europäischen Ausland enthalten sein können, entzieht sich unserer Kenntnis. Aber auch bei der Herstellung von Teppichböden und deren Garnen finden Chemikalien Verwendung, wie bei fast alle Gebrauchsgegenstände, die nicht direkt der Natur entnommen und unbehandelt verwendet werden. Chemikalien entscheiden z.B. über Haltbarkeit, Gebrauchseigenschaften oder Farbe. Es findet jedoch über die strengen Vorgaben der europäischen Chemikalien-Verordnung hinaus ein sehr genaues Monitoring hinsichtlich der eingesetzten Stoffe statt und sofern möglich auch ein Austausch. Manche Ausrüstungen werden von der deutschen Industrie nicht vorgenommen. Ein gutes Beispiel ist da die biozide Ausrüstung mit Silber-Ionen, die ist bei Teppichboden schlicht nicht erforderlich, so dass unsere Mitglieder – trotz vereinzelter Anfragen – darauf vollständig verzichten.

Wichtig zu wissen ist in diesem Kontext, dass Teppichböden der Bauproduktenverordnung unterfallen. Sie dürfen nur in Innenräumen verlegt werden, wenn sie die Anforderungen einer strengen Emissionsprüfung bestehen, was gegenüber dem Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt) regelmäßig nachgewiesen werden muss. Beim DIBt werden auch sämtliche Inhaltsstoffe des Teppichbodens hinterlegt. Insoweit kann der Verbraucher entsprechende Teppichböden bedenkenlos verbauen und nutzen.

Die deutsche Teppich-Industrie stellt sich den strengen Anforderungen an das Emissionsverhalten und hält die gesetzlichen Vorgaben ohne Wenn und Aber ein. Gesundheit und Ressourcenschutz stehen ganz oben auf der Agenda.

Zunächst einmal hält sich die deutsche Teppichboden-Industrie an die Regeln und die sind im weltweiten Vergleich mit die strengsten. Umweltauflagen, Anforderungen an den Gesundheits- und Arbeitsschutz oder Verbraucherschutz rangieren bei uns auf Höchstniveau. Daher verunsichert unseres Erachtens das undifferenzierte Bild, das der Bericht zeichnet, mehr, als dass es zur echten Aufklärung beiträgt. Das ist schade, denn dafür ist das Thema einfach zu wichtig.

Bereits seit langem bestehen für nahezu alle textilen Bodenbeläge unserer Mitglieder „EPD’s“, sogenannte Umweltdeklarationen, anhand derer der „CO2 Fußabdruck“ ermittelt werden kann. Dies gibt eine zuverlässige Einschätzung des Ressourcenverbrauchs im Vergleich zu anderen Bodenbelägen. Auch das Thema Recycling ist nicht neu. Zugegebenermaßen war eine Initiative Anfang der 2000er Jahre nicht erfolgreich, da sie für den Markt zu früh und daher nicht finanzierbar war. Aber auch hier ist die Entwicklung nicht stehen geblieben. Im Produktionsprozess anfallende Rohstoffe werden dem Prozess wieder zugeführt. Mittlerweile gibt es auch Teppichböden, die zu über 95 % aus Recyclingmaterial bestehen, ohne ihre Gebrauchstauglichkeit eingebüßt zu haben. Das Thema Recycling steht bei uns ebenso ganz oben auf der Liste, wie das der Langlebigkeit. Beide haben immer die Ressourcenschonung im Fokus.


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