Branchenzahlen

Die deutsche Heimtextilien-Industrie 2015

04.07.2016

Gesamtwirtschaftlich ist 2015 gut verlaufen. Zum Jahresende rechnete das ifo Institut München mit einem Wachstum des realen Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 1,7 Prozent. Eine Hauptstütze der Konjunktur war der private Konsum. Darüber hinaus setzte sich die positive Entwicklung der Bauwirtschaft im vergangenen Jahr fort und generierte Nachfrage für den Ausstattungsbereich.
Die Voraussetzungen für die heimtextile Konjunkturentwicklung stimmten folglich in 2015. Und in den ersten acht Monaten entwickelte sich die Konjunktur der deutschen Heimtextilien-Industrie auch konform zum positiven gesamtwirtschaftlichen Trend.


Im letzten Tertial kühlte die Nachfrage nach Heimtextilien aus deutscher Produktion – mit Ausnahme der Bettwaren –allerdings überraschend ab. Das jahresdurchschnittliche Plus konnte zum Jahresende nicht gehalten werden.
Für das Gesamtjahr 2015 verzeichnete die deutsche Heimtextilien-Industrie einen Umsatzrückgang von 2,4 Prozent.

Deutlich spürbar für die Unternehmen waren 2015 die Rezession in Russland und die damit verbundenen Absatzschwierigkeiten auf dem russischen Markt. Russland war insbesondere für die heimtextilen Stoffsparten sowie den Produktbereich Bettwaren viele Jahre einer der wichtigsten Exportmärkte.
Der dortige Exportausfall konnte und kann von den Unternehmen kurzfristig nicht durch eine Verstärkung der Aktivitäten auf anderen Märkten kompensiert werden. Hinzu kommt, dass auch weitere wichtige Absatzmärkte, darunter die Schweiz und China, im vergangenen Jahr in Turbulenzen gerieten, die ebenfalls negative Auswirkungen auf die Exportaktivitäten der deutschen Heimtextilien-Industrie hatten. Der Exportumsatz der deutschen Heimtextilien-Industrie entwickelte sich 2015 um 3,8 Prozent rückläufig bei einem Exportanteil von 25,8 Prozent. Und auch im Inland lief es letztlich nicht wie erwartet. Die grundsätzlich positive Konsumstimmung spiegelte sich nicht im Inlandsumsatz der deutschen Heimtextilien-Industrie wider (-1,9 Prozent). Möglicherweise schlägt hier der enorme Wettbewerb am Point of Sale immer deutlicher durch. Das Angebot an Heimtextilien im Markt ist vielfältig. Und ein Großteil der Ware wird vom Handel bereits fertig konfektioniert und kostengünstig im Ausland produziert eingekauft. Diese Heimtextilien fließen dann über die Theken der Möbelhäuser, allen voran Ikea. Aber auch die Baumärkte präsentieren eine breite und attraktive Palette an konfektionierten Gardinen, Vorhängen und Badtextilien im unteren bis mittleren Preissegment. Hinzu kommen die Discounter, die in regelmäßigen Abständen heimtextile Produktgruppen im Niedrigpreissegment bewerben. Dies geht tendenziell zu Lasten der heimischen Industrie, die überwiegend qualitativ hochwertige Heimtextilien anbietet und diese auch über den Fachhandel bzw. die Raumausstatter in den Markt bringt.

Textile Bodenbeläge (Tuftingware) folgten in den ersten acht Monaten einem leichten Aufwärtstrend, der sich in den Herbstmonaten nicht fortsetzte. Per Ende Dezember verfehlten die Unternehmen ihren Vorjahresumsatz um 4,4 Prozent. Dabei waren die Umsatzeinbußen im Inland (-4,6 Prozent) etwas stärker als die Umsatzeinbußen im Ausland (-3,6 Prozent). Dennoch sind einige Unternehmen in dieser Sparte sehr gut aufgestellt. Ihr Produktschwerpunkt konzentriert sich auf Innovationen und Funktionalität mit hohem Designanspruch. Hochwertige Produkte werden grundsätzlich vom Objekteur oder Verbraucher wertgeschätzt und auch gut nachgefragt.
Die Gestaltungsmöglichkeiten textiler Bodenbeläge sind vielfältig. Das Angebotsspektrum der Farben, Dessins und Strukturen ist beeindruckend. Die klassische Auslegware wird zunehmend ergänzt durch modulare Teppichformen (z.B. Fliesen), die mehr Flexibilität in der Einrichtung bieten.

Möbelstoffe sowie Dekostoffe/Gardinen sind traditionell mit einem Exportanteil von über 40 Prozent die exportstärksten Sparten der Heimtextilienindustrie. Insbesondere die Dekostoffindustrie leidet derzeit unter den Schwierigkeiten wichtiger Exportmärkte, allen voran Russland. Ihr Exportumsatz entwickelte sich 2015 um 5,4 Prozent rückläufig. Gleichzeitig fehlten auch auf dem Inlandsmarkt Nachfrageimpulse (-4,2 Prozent). In den letzten Jahren hat sich die Konkurrenzsituation auf dem Markt, insbesondere seitens fertig konfektionierter Dekoschals und Gardinen aus ausländischer Produktion verschärft.

Möbelstoffe zeigten dagegen Umsatzstabilität auf den Auslandsmärkten. Die Nachfrage nach Qualitätsware ist in dieser Sparte überdurchschnittlich hoch. Deutsche Möbelstoffproduzenten haben diesbezüglich international eine wettbewerbsstarke Position. Obwohl das Inlandsgeschäft – mit Umsatzeinbußen von 4,8 Prozent – 2015 enttäuschte, ist auf den Möbelmessen in Köln und Stockholm zu Beginn diesen Jahres sowie in den Fach- und Publikumszeitschriften eine klare Trendwende weg vom Leder hin zum Stoff festzustellen.

Positiv entwickelte sich im vergangenen Jahr der Produktbereich Bettwaren mit Füllungen aus synthetischen Fasern bzw. Naturhaaren (+1,8 Prozent). Die Wachstumsimpulse resultierten aus dem Inland (+3,4 Prozent). Das Exportgeschäft zeigte auch in dieser Sparte Schwächen (-5,1 Prozent). Trotz der warmen Temperaturen in den Herbstmonaten sind die Unternehmen gut zufrieden mit dem Verkauf ihrer Winterware. Überdurchschnittlich war 2015 der Nachfrageanstieg nach Decken und Kissen mit Naturhaarfüllungen. Und auch die Nachfrage nach Nackenstützkissen entwickelte sich ausgesprochen positiv.

Die Konjunkturindikatoren leuchten auch für 2016 grün. Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute gehen von einer Fortsetzung des konjunkturellen Aufschwungs der deutschen Wirtschaft aus und rechneten zu Jahresbeginn mit einem Wachstum von 1,9 Prozent. Der Arbeitsmarkt steht ausgesprochen positiv dar. Die Arbeitslosenzahl ist so niedrig wie zuletzt 1991. Der private Konsum entwickelt sich weiterhin sehr gut. Die Prognosen für die Bauwirtschaft stimmen ebenfalls. Allein die Aussichten für das deutsche Exportgeschäft sind aufgrund der zunehmenden Schwächen auf den Exportmärkten getrübt.
Nicht kalkulierbar sind derzeit jedoch die Auswirkungen der politischen Entwicklungen in den Krisenregionen in Nordafrika, dem nahem und mittlerem Osten, den damit verbundenen Flüchtlingsströmen nach Europa sowie die Auswirkungen auf den Zusammenhalt in der EU und die Wirtschaftsentwicklung.

Die Unternehmen der deutschen Heimtextilien-Industrie blicken selbstbewusst auf ihre Geschäftsentwicklung in 2016. Zu Recht. Deutsche Heimtextilien stehen für Qualität, Innovation, Funktionalität, Vielfalt an Farben, Materialien und Dessins. Der Dienstleistungsgedanke hat bei der Industrie einen hohen Stellenwert. Ihren Fokus richtet sie auf den Verbraucher.
Die Herausforderungen im Absatzkanal werden 2016 – neben den bereits aufgezeigten Schwierigkeiten einiger Exportmärkte – die Strukturveränderungen im Handel sein. Dazu gehört auch das stark wachsende Internetgeschäft.

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